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Wir sind auch da! - Blog / Institut für Hundegestützte Psychotherapie (IHPt)

12.05.2019

Wir sind auch da!

von Gertrude Endejan-Gremse

Ich freue mich einen sehr interessanten Gastbeitrag von Dipl.-Psych. Gertrude Endejan-Gremse (Absolventin der Wikkegaard Ausbildung) hier veröffentlichen zu können. Sie reflektiert die Frage, wie in einer tiefenpsychologischen Psychotherapie die Anwesenheit des Hundes das therapeutische Setting verändert, was dies für den Patienten mit seinen dyadischen Erwartungen an die therapeutische Beziehung bedeutet und wie durch Markierung aus der Anwesenheit des Hundes eine therapeutisch wirksame Präsenz entstehen kann. Neben theoretischen Überlegungen werden ganz konkrete Fragen für die therapeutische Praxis beschrieben.

Herzlichen Dank für das Teilen der Gedanken und Erfahrungen!

Gerd Ganser

 

Wir sind auch da!

Überlegungen zu Interventionen, welche die Präsenz des Hundes markieren.

Als langjährig mit Erwachsenen psychodynamisch arbeitende Psychotherapeutin machte ich mir seit dem Einbezug der Hunde aus dem Praxisalltag heraus folgende Überlegungen: Der psychodynamische Psychotherapeut hat nach Körner ( 2016) zu Beginn einer Behandlung zwei Aufgaben:

-zum einen,  dem Patienten den Eindruck von der Besonderheit des Rahmens einer psychodynamischen Therapiesituation zu vermitteln.  (nach David Tucket 2007): “managing the Setting“)

-zum anderen sich auf den Patienten methodisch einzustellen durch Anpassung seiner Interventionen an sein Strukturniveau und seine Mentalisierungsfähigkeit.

Weiterhin: Ergibt diese spezielle Beziehungssituation andere Regeln als die alltägliche Konversation: Der Patient ist aufgefordert, sich möglich freimütig zu äußern, auch wenn ihm das peinlich ist oder unsicher erscheint. Da der Therapeut  nicht wie in einem alltäglichen Zwiegespräch antwortet, fehlen dem Patienten auch Signale , wie er die Situation aufzupassen hat. Er weiß vielleicht nicht, was gerade los ist. Darum ist es wichtig, dem Patienten den Rahmen der therapeutischen Situation nahe zu bringen: Der Patient soll ermutigt werden, seinen subjekthaften Beziehungsentwurf zu entfalten und darin seine unbewussten Beziehungsphantasien  zum Ausdruck zu bringen. Damit bedarf im tiefenpsychologischen Setting jede Veränderung des Rahmens einer besonderen Achtsamkeit. Und dieser dafür sonst übliche Rahmen ist durch die Anwesenheit des Hundes, die einerseits zu Alltagskommunikation verführt und andererseits genutzt werden kann und soll, implizite Beziehungserwartungen zu wecken, ein anderer als die Zweiersituation. Aus der Therapieforschung weiß man inzwischen, „dass die Qualität der therapeutischen Beziehung offensichtlich das wichtigste spezifische  Element der Kur darstellt und größeren Einfluss ausübt als jedwede behandlungstechnische Aktivität.“ (D. N. Stern; 2012)

Die Einbeziehung des Hundes ist in diesem Sinne sowohl eine Rahmenveränderung als auch eine Beziehungsqualitätsveränderung und bedarf deshalb der besonderen Reflektion. Dies habe ich in einem schriftlichen Hinweis für die Patienten ausgearbeitet und mit ihnen besprochen und in dem Zusammenhang um die Erlaubnis für Videoaufzeichnungen gebeten. Ich habe in Wikkegaard meine Ausbildung mit dem Zertifikat für hundegestützte Therapie im Jahr 2017 abgeschlossen. Die guten Vorträge der dortigen Dozenten, das hervorragende Buch von Gerd Ganser (2017) bildeten den Grundstock meines sich  neu entwickelnden Wissens neben dem Selbststudium der einschlägigen Literatur zur Hundepsychologie, Bindung zu Tieren, Tiere als Therapie.

Meine beiden Hunde Alma (w) und Anouk (m) habe ich von Beginn an als Welpen seit August 2014 mit in die Praxis genommen. Aus dem während der zweijährigen Ausbildung  erweiterten Blick ergaben sich für meine bisherige Arbeit erhebliche neue Integrationsaufgaben. Ich möchte  jetzt das Augenmerk auf die tierbezogenen therapeutischen Interventionen unter dem Aspekt der sich eröffnenden Möglichkeiten aus der Perspektive der Dreiersituation richten.

Die Fragen ergaben sich bei mir aus der praktischen Tätigkeit, da mit der Einbeziehung der Hunde meine jahrzehntelange traditionelle dyadische Arbeitsweise (s. Rahmensetzung für die psychodynamische Therapie) in der Einzeltherapie eine Veränderung erforderte, die aber bei mir im Kopf zu beginnen hatte. Die mir aus Kunsttherapie, Körpertherapie und Psychodrama vertrauten erlebens- und mentalisierungsfördernden Methoden (hilfreiche Unterscheidung von Interventionsmethoden Mdl. Mitteilung Gerd Ganser im Supervisionsseminar 2018) konnte ich nicht einfach dahingehend erweitern, dass jetzt als „Technik“ noch der Hund hinzukommt. Hier klemmte es gewissermaßen in mir. Es zeigte sich bei meiner  Hemmung, den Hund für den Patienten aktiv ins Spiel zu bringen oder mit dem Hund Kontaktspiele oder Begrüßungen zu initiieren. Es fühlte sich nicht richtig an, auch wenn ich es gemacht habe. Ebenso die Vorstellung, von den Kollegen für die Einbeziehung des Hundes belächelt zu werden oder beim Patienten Frust auszulösen, wenn er nicht im Mittelpunkt steht. All das bremste mich, ließ mich die Arbeit unter Einbeziehung des Hundes als anstrengend erleben. Die Vorstellung, ich müsste es „richtig“ machen und noch mehr Techniken erlernen trieb mich zwar an, machte aber eher Druck; mein Tun floss mir nicht aus dem Inneren, wie ich sonst von mir kannte.

In meiner Hausarbeit (Endejan-Gremse, 2017) habe ich versucht, dieses spezielle-Setting  als Gruppentherapie  zu betrachten (da ich mit zwei Hunden arbeite, schien es mir einen Versuch wert) und die dort vorhandenen Konzepte auf die Möglichkeiten ihrer Anwendung hin zu überprüfen. Diese theoretische Bearbeitung war schon mal eine Richtung, in der ich an meine Gruppentherapieerfahrungen und -praxis anknüpfen konnte. Dies führte dann zu einer Darstellung übertragungsfokussierten Arbeitens und zu der Erkenntnis, dass es dann sehr viele Aspekte gibt, die eine klare Fokussierung erforderten. Aber auch das brachte mir noch keine hinreichende Erleichterung.

Hier half mir dann meine Lebenserfahrung: Es war nicht einfach, bei den Babys den Vater mit seinen Vorstellungen mit einzubeziehen. Die Lebenspraxis war doch so, dass ich während der Vater Vollzeit arbeitete immer als Mutter schwerpunktmäßig die Erziehung, die Haushaltsorganisation, das familiäre Management übernahm und erst jetzt, seit  mein Mann in Rente ist durch das tägliche Beieinandersein ein anderer Abstimmungsbedarf erforderlich ist. Er ist jetzt da und der Respekt vor den Interessen des anderen erfordert eine neue Art von Lebensführung.

Der Hund ist in der Therapie da; er ist kein Werkzeug, sondern ein Wesen mit speziellen Fähigkeiten  zu analoger Kommunikation und Beziehungsgestaltung und Bindung. Es half mir, mir selbst kategorial klar zu machen, „der Hund ist da“. Ich mache mir damit  den Blick auf die spezielle Dreiersituation deutlich, und dadurch dem Patienten ebenso (vergleichsweise wie die Mutter zum Baby: “Guck mal, Papa ist dabei und gehört dazu und der erlebt uns beide auch“). Für die Arbeitsweise vielleicht strukturell eine ähnlich gravierende Veränderung wie das Hinzutreten eines Kindes in eine Paarbeziehung. Unter diesem Gesichtspunkt half es mir, mir die Wichtigkeit  von Präsenz markierenden Interventionen zu verdeutlichen.

Der Hund selbst kann nicht sprechen, sich jedoch verhalten und sich durch eine Fülle von Ausdrucksbewegungen deutlich machen. Indem ich ihn über Sprache für den Patienten markierend einbringe, ist er im Beziehungsgeschehen anders präsent. Der Aufforderungscharakter, ihn in seiner Beziehung zum Patienten, zu mir, der Beziehung des Patienten zu ihm, meiner Beziehung zum Hund, der Beziehung der Hunde untereinander mitzudenken eröffnet ein großes Feld zur Reflektion von Interaktionsgeschehen, impliziten Beziehungserwartungen und Projektionen. Durch die Autonomie des Hundes in seinem Ausdrucksverhalten kann sich Unverhofftes einstellen. Flexibilität und neue innere Sortierungen werden angeregt. Das triadische Setting kann ich zu Beginn der Behandlung zwar erklären und vereinbaren, ich muss es aber auch immer wieder durchführen. Dazu nutze ich  Interventionen, die darauf verweisen: „Der Hund gehört dazu“.

Bei solchen, die Präsenz des Hundes markierenden Interventionen liegt der Aspekt der Markierung (Ich wähle hier  den Begriff der Markierung unter Bezugnahme auf die Arbeiten zur markierten Affektspiegelung (Dornes; Stern; Fonagy. Nach Gergely befindet sich der Säugling in einem Gefühlszustand, der ihm nicht bewusst ist, den er jedoch ausdrückt.) auf der spezifisch nicht-dyadischen Situation. Da in der kindlichen Entwicklung  die Triangulierung die Mentaliserungsentwicklung (J.G. Allen, P. Fonagy; Mentalisierungsgestützte Therapie. 2009) vorantreibt, kann ich durch diese Aufmerksamkeitslenkung die Stufen der Mentalisierungsentwicklung beim Patienten erkennen und auch in anderer Weise im Auge behalten.

-      Wie beeinträchtigen den Patienten strukturelle Defizite?

-      Welche inneren Konflikte versucht er zu bewältigen, was steht ihm dabei im Wege?

-      Welche Bindungsmuster lassen sich erkennen?

An seiner Reaktionsweise darauf sehe ich mögliche Beeinträchtigungen. Damit richtet sich die Aufmerksamkeit darauf dass ein Dritter da ist und es wird dem Patienten durch erweiterte Wahrnehmung ein Perspektivenwechsel möglich gemacht. Es wird durch solche Fragen deutlich markiert, dass wir nicht  in einer Zweiersituation sind, sondern das Geschehen findet zwischen Dreien statt mit mindestens neun verschiedenen Perspektiven. Die dadurch angeregte mentale Orientierung lässt unbewusst im Hier und Jetzt eine Fülle von Affekten entstehen, die mit therapeutischem Geschick teilweise ins Bewusstsein zu heben sind,

a.     Interaktion : Hund-Patient unter den Augen des Therapeuten.

 

b.     Interaktion: Therapeut-Hund unter den Augen des Patienten

 

c.      Interaktion  Therapeut-Patient  unter den Augen des Hundes

 

D. triadisches Beziehungsgefüge

 

 

Praktische Formulierungsmöglichkeiten

Um überhaupt die Aufmerksamkeit auf die Anwesenheit des Hundes  zu richten, kann ich alles ansprechen, was gerade das Verhalten des Hundes betrifft:

  • z.B.: wieso kommt der Hund gerade jetzt? -Ist was mit Ihnen?
  • was meinen Sie, weshalb er gerade liegen bleibt?
  • was meinen Sie, weshalb er gerade so erfreut auf sie reagiert?
  • was meinen Sie, was ihn gerade interessiert, auf was er gerade reagiert-?
  • was macht es Ihnen, wenn der Hund auf sie nicht reagiert?
  • was würde Ihnen gefallen an Hundeverhalten?
  • wie ist es für Sie, dass der Hund auch hier ist?

Geringfügige mimische, gestische oder  sonstige Ausdrucksbewegungen des Patienten eignen sich besonders, um die Aufmerksamkeit durch solche markierenden Anmerkungen auf die Präsenz des Hundes zu lenken. Insbesondere Störungen (Interventionen dazu werden weiter unten vorgeschlagen) durch den Hund eignen sich gut, anzusprechen, was wohl gerade ist. Störungen gleich zu Beginn der Therapie sollten jedoch mit dem Fokus auf die Empfindungen des Patienten exploriert werden und ernst genommen werden, sprich die Störung empathisch ernst genommen werden, da seine Erwartung ja zunächst die ungeteilte Zweisamkeit ist. Die Erwartungen des Patienten sind in der Regel an die intensive und exklusive Dyade gerichtet; sie wollen in erster Linie gehört und verstanden werden. Sie wollen etwas bekommen, gehalten werden, Erleichterung durch Empathie erleben, sich nicht gleich anstrengen  müssen. Viele Patienten tun sich zunächst  schwer, auf sich selbst und auf die Situation mit dem Therapeuten von außen zu schauen. Das hängt damit zusammen, dass Patienten sich zu Beginn der Therapie zunächst in die Geschütztheit der wohlwollenden Zweiersituation begeben möchten, um sich öffnen zu können.Sie sind so gesehen im von  FONAGY beschriebenen Äquivalenzmodus: „Mit dem Begriff  >>psychische Äquivalenz<<  bezeichnen wir die primitivere Ebene des mentalen Funktionierens, auf der innere Zustände wie Gedanken, Phantasien und Gefühle mit der Realität verwechselt und als Realität-statt als (bloße) Repräsentationen der Realität empfunden werden.“ (Fonagy , 2008 S. 296)

Die Herstellung der therapeutischen Arbeitsbeziehung bedient sich ja auch  dieser Erwartung, indem zunächst darauf geachtet wird, dass eine wohlwollende Atmosphäre hergestellt wird. Insofern ist eine Markierung der Situation als Dreiersituation immer auch eine Konfrontation zwischen Erwartung und Realität.

Eine reflektierende Haltung kennen sie aus ihrer Geschichte meist noch nicht als vorrangig  wahrnehmende, beobachtende Einstellung, sondern verbinden Reflektion sofort mit Beurteilung. Entsprechend projizieren sie in den Therapeuten hinein, dass er sie vermutlich auch beurteilt.

Diese innere Trennung zwischen Wahrnehmung und Beurteilung müssen sie im Laufe der Therapie erst mühsam lernen, um sich einen bewussten, reflektierten Umgang mit ihren Gefühlen erarbeiten zu können. Wenn Patienten beurteilend reagieren, oder Beurteilung befürchtend reagieren, kann man das gut ansprechen und nutzen, um sie auf das innere Muster aufmerksam zu machen und den Unterschied zwischen Wahrnehmung/Beobachtung und Beurteilung zu erfassen. Man kann dann fragen, ob sie meinen, dass der Hund auch beurteilt oder nach welchen Kriterien er wohl beurteilt. Gerade aufgrund der Andersartigkeit des Hundes kann ich neugierig machend auf dieses innere Muster  rekurrieren. Die Überraschung, die der Patient erlebt, wenn er sich fragt, ob der Hund beurteilt,  eröffnet in ihm, eigenes Inneres aus der gewohnten Selbstverständlichkeit heraus in Frage zu stellen. Das besondere mit dem Hund ist nun, da der Hund ja in der Regel wohlwollend dem Patienten gegenüber ist, dass ich durch die Konstellation sowohl die Geschütztheit, Fürsorglichkeit, das Wohlwollen herstellen kann und gleichzeitig in dieser Konstellation das Reflektierende verträglich einbringen kann.

Der Hund „kann Beziehung gut“  – jenseits von Bewertung und  Beurteilung (Das Ergebnis der Befragung von 24 Patienten war, dass sie die Hunde u.a. als wohltuend, beruhigend, angenehm, Geborgenheit vermittelnd, vertraut, ausgeglichen erleben)(Endejan-Gremse, 2017). Die Situationsbewertung des Hundes geht von seinen Bedürfnissen aus und seinem Beziehungserleben. Bedrohlichkeit könnte nur unmittelbar entstehen, wenn der Hund sich in seinen Bedürfnissen gestört fühlt. Damit habe ich einen wunderbaren Anknüpfungspunkt, mit dem Patienten über seine eigenen  Bedürfnisse zu sprechen und seine spezifische Art, sie wahrzunehmen, sie zu erkennen, ihnen Berechtigung zu geben, sie zum Ausdruck zu bringen oder eben auch nicht.

  • z.B.: wenn sie so sehen, wie gut der Hund seine Bedürfnisse vertritt, wie ist das bei Ihnen eigentlich?
  • was würde sie abhalten Ihre Bedürfnisse zu vertreten?
  • was macht es schwer, eigene Bedürfnisse zu spüren?
  • was macht es leicht, eigene Bedürfnisse zu vertreten?

Zudem sind solche, die Anwesenheit des Hundes markierende Fragen immer auch wieder mit dem  Verweis auf die Dreiersituation  ein Übungsfeld für Perspektivenübernahme: Ich lenke die Aufmerksamkeit des Patienten auf die Fragestellung; rege ihn an, sich selbst Gedanken zu machen, was wohl der Hund meint, fühlt, begehrt, beabsichtigt.

  • z.B.: unvermittelt den Hund ansprechen, -was meinst Du Alma? -was meinst Du Anouk?
  • was meinen Sie, was der Hund gerade an Atmosphäre im Raum spürt?
  • was würde Ihnen der Hund jetzt sagen, wenn er sprechen könnte?
  • was meinen Sie, will der Hund Ihnen gerade mit seinem Verhalten sagen?
  • was meinen Sie, spürt der Hund zwischen Ihnen und mir gerade?
  • was meinen Sie, was der Hund gerade zum Ausdruck bringen will?
  • was täte gut, was er jetzt machen würde?
  • was täte nicht gut, was er jetzt machen würde?
  • womit könnte er Ihnen eine Freude machen?
  • was meinen Sie, was er gerne hat?
  • was ist das Bedürfnis des Hundes? Was ist gerade Ihr Bedürfnis?
  • was hat ihnen gerade am Verhalten des Hundes gefallen?
  • was hat Sie gerade am Verhalten des Hundes gestört?
  • was war am Verhalten des Hundes anders, als Sie erwartet haben?

Wenn die Dyade zu eng ist, kann es der Patient als erleichternd erleben, wenn ein Dritter da ist oder die Aufmerksamkeit darauf gerichtet wird.(s. Aussage eines Patienten, dabei schmunzelnd mir in die Augen schauend in einer Befragung an 24 Patienten: „Beruhigend , dass hier noch einer ist und ich Ihnen nicht alleine  ausgeliefert bin“.) Wenn der Patient gerne ein ungestörtes Zweisamkeits- und Übereinstimmungsgefühl als aktuelles Bedürfnis hat, kann es ihn stören oder zumindest etwas Spannung erzeugen.

  • z.B.: wie ist das gerade für Sie, wenn der Hund jetzt Aufmerksamkeit fordert?
  • wie stellen Sie sich vor, wie ich das in mir mit meiner auf sie gerichteten Aufmerksamkeit mache?
  • haben Sie sich schon mal in unserem Kontakt von den Hunden gestört gefühlt?
  • kennen sie aus anderen Situationen Störungen ihrer Zweisamkeit ? Wie erleben Sie das?
  • wie können Sie Störungen regulieren?
  • würden Sie es mir sagen, wenn es Sie stören würde?
  • was könnte Sie abhalten, ihrem Störgefühl Berechtigung zu geben?

Die Eröffnung (Erlaubnis) für den Patienten durch mich, sich damit zu beschäftigen, wie er mich erlebt über die Frage, wie er mich im Umgang mit dem Hund erlebt, ist eine gute Möglichkeit das Übertragungs- Gegenübertragungsgeschehen in den Bereich des Besprechbaren bringen. Der Patient erlebt mich dabei offen dafür und traut sich vielleicht etwas leichter, sein Erleben meiner Person und meines Verhaltens zu betrachten, sich zu fragen, wie es ihm damit geht. Das in der TP ja als wichtige Methode  zu bearbeitende Übertragungsgeschehen im passenden Fokus kann mit  Hilfe des Abstandes über das Dritte (Hund) leichter möglich werden. Ebenso die Erfahrung des Patienten, dass es möglich ist, im Gegenüber über konflikthaftes Material mit dem Betreffenden zu sprechen. Diese Erfahrung ermöglicht dem Patienten auch, darüber stellvertretend mit sich und seinem Inneren so umgehen zu können und mit der Zeit einen reflektierenden wohlwollenden Umgang mit sich zu entwickeln.

  • z.B.: was hat Ihnen gerade an meinem Umgang mit dem Hund gefallen? Wie hätten Sie es gemacht?
  • was hat Ihnen gerade an meinem Verhalten zum Hund nicht gefallen? Was hätten Sie anders gemacht?
  • woran können Sie merken, dass sein Verhalten speziell mit Ihnen zu tun hat?
  • woran können Sie merken, dass sein Verhalten speziell mit mir zu tun hat?
  • woran können Sie merken, dass sein Verhalten speziell mit unser beider Kontakt miteinander zu tun hat?
  • wie ist es für Sie, wenn ich Sie frage, wie es Ihnen als Wahrnehmender meines Kontaktes mit dem Hund  geht?
  • was stellen Sie fest zwischen mir und dem Hund?
  • ist Ihnen daran etwas unsympathisch ?oder sympathisch?
  • erinnert Sie der Umgang an etwas?
  • wie würden Sie reagieren, wenn der Hund nicht gehorcht?
  • wie würden Sie damit umgehen, wenn der Hund Ihnen auf den Schoß springt?

Weitere Interventionsmöglichkeiten, in denen nicht nur speziell die Präsenz des Hundes markiert wird, sondern die Präsenz des Hundes  genutzt wird ergeben sich zwanglos daraus. Wenn ein Patient über andere Menschen redet, könnte es ihm leichter machen, gewisse Gefühle über die Projektion in den Hund zu spüren und auszudrücken. Ich lenke die Aufmerksamkeit des Patienten auf die Einfühlung in den Hund mit der Fragestellung, wie der Hund  wohl fühlen würde, denken würde, sich verhalten könnte. Damit eröffne ich etwas Phantasiewelt, wie im Traum spielerisch mit Gefühlsoptionen, Handlungsoptionen umgehen zu dürfen; im Als-ob Modus kreativ zu sein und gleichzeitig aus dem Wissen, der Hund denkt ja nicht in dem Sinne, das Spielerische daran zu erfahren. Der Patient kann wechseln lernen zwischen „echt“ und „Spiel“, vielleicht Freude daran haben und dadurch leichtfüßig über sich etwas erfahren.

  • z.B:. wie würde der Hund auf die Person reagieren, wenn er ihr begegnen würde?
  • wie würde die Person auf den Hund reagieren?
  • wie hätte die Person sich verhalten, wenn der Hund dabei gewesen wäre?
  • was könnte Ihnen Freude machen, wie speziell der Hund auf die Person reagieren würde?
  • was könnte Ihnen Angst machen, wie speziell der Hund auf die Person reagieren würde?

Bei den letzten beiden Fragen könnte es dem Patienten möglich sein, über den Hund als phantasiertes Selbstobjekt aggressive Bedürfnisse oder libidinöse Bedürfnisse stellvertretend auszudrücken und als phantasiertes Selbstobjekt  zu nutzen. Weiterführend könnte man auffordern, wenn der Hund jetzt eine Geschichte über die Person erzählen würde, was würde er erzählen. Oder: wenn  Sie eine Kindergeschichte mit gutem Ausgang über den Hund und die Person schreiben würden, wie würde die lauten. Bei geschilderten inneren Konflikten oder äußeren mit anderen Menschen, könnte man bei der Lösungssuche auf den Hund verweisen.

  • was meinen Sie, wie würde der Hund das finden?
  • wie würden Sie das als Hund betrachten?
  • Wenn der Hund seine Meinung dazu sagen könnte, was meinen Sie, würde er aus seiner Sicht dazu sagen?
  • Was würde der Hund Ihnen für einen Rat geben?
  • Wenn der Hund für den anderen sprechen könnte, was würde er dann sagen?

Bei geschilderten Gefühlen in Beziehungsthemen kann man auf das begleitende Körpergefühl zu sprechen kommen, es explorieren und schildern lassen, die damit zusammenhängenden Beziehungserwartungen erkunden. Die Beziehungserwartungen zeigen sich ja auch in Begegnungen mit dem Hund. Der Patient spürt es körperlich und hat bestimmte kognitive Erwartungen. Der Hund reagiert körperlich eigenständig, oft auch unverhofft. Er ist auf der Körperebene und zeigt seine Bedürfnisse körperlich, drückt sich körperlich aus. Das dadurch ausgelöste Erleben beim Patienten kann man nutzen, um auf seine unbewussten Beziehungserwartungen zu sprechen zu kommen. Der Königsweg dahin ist das ausgelöste Körpergefühl beim Patienten. Was spürt er da gerade, wie verändert es sich:

-dadurch, dass er es wahrnimmt und zulässt,

-dadurch, dass er sich spontan mit dem Hund anders verhält

-oder dadurch, dass er anderes Verhalten mit dem Hund ausprobiert.

Die Quelle des Körpergefühls aus der Begegnung mit dem Hund zu nutzen ist ein eigenes wichtiges Thema.

Soweit für heute einige Anregungen zur Nutzung der spezifisch anderen Rahmenbedingung für tiefenpsychologisch fundiertes Arbeiten in der Dreiersituation.

 

Literatur:

Dornes, M. (2010). Die Seele des Kindes. Entstehung und Entwicklung. Frankfurt: S.Fischer.

Endejan-Gremse, G. (2017). Veränderung der therapeutischen Begegnung bei Einbeziehung des Hundes.

Fonagay, G. J. (2008). Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst. Stuttgart: Klett-Cotta.

Ganser, G. (2017). Hundegestützte Psychotherapie. Stuttgart: Schattauer.

J.G.Allen, P. F. (2009). Mentalisierungsgestützte Therapie. Klett Cotta.

Körner, J. (2016). Psychodynamische Interventionsmethoden. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht.

Stern, D. (2012). Veränderungsprozesse . Brandes &Apsel.

Stern, D. N. (1992). Die Lebenserfahrung des Säuglings. Stuttgart: Klett-Cotta.

Tuckett, D. (2007). Wie können Fälle in der Psychoanalyse verglichen werden? PSYCHE Zeitschrift für Psychoanalyse und ihre Anwendungen, S. 1042-1071.

U.Schultz-Venrath. (2015). Lehrbuch Mentalisieren. Klett-Cotta.

 

Dipl.-Psych. Gertrude Endejan-Gremse

Psychologische Psychotherapeutin

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