DAS KONZEPT: HUNDEGESTÜTZTE PSYCHOTHERAPIE

Warum sollte man überhaupt auf den Gedanken kommen, einen Hund in die Psychotherapie einzubinden?
Welchen Vorteil bietet dies?

EINE GELUNGENE INTEGRATION
DES HUNDES SOLLTE FOLGENDE
3 VORTEILE ERGEBEN:

Für die meisten Patienten hat die Anwesenheit eines Hundes eine beruhigende und entängstigende Wirkung. Sie kommen gerne, oft sogar lieber zur Therapie und freuen sich auf den Therapiehund. Sie sind nicht, wie sonst üblich, mit dem Therapeuten alleine im Raum und können mit ihm gemeinsam eine interessante Erfahrung im Hier und Jetzt teilen und besprechen. Oft sind die Einsichten, die über das Mentalisieren des Geschehens entstehen für die Patienten beeindruckend und leichter anzunehmen, als in einem dyadischen Setting.

Ein Therapiehund sollte ein glücklicher Hund sein. Die Einbeziehung in die Psychotherapie gibt dem Hund eine interessante Aufgabe und viel (positive) Aufmerksamkeit. In der Regel wollen Hunde gerne arbeiten und für ihren Menschen wichtig und unterstützend sein. Die Therapeuten lernen ihren Hund gut zu verstehen und eine intensive Beziehung zu ihm aufzubauen, was ein Hund sehr genießt. Natürlich wird der Hund in der Psychotherapie auch mit belastenden Gefühlen konfrontiert, die oftmals im Raum sind. Hier gilt es, auf Anzeichen von Stress zu reagieren um den Hund (zu fordern aber) nicht zu überfordern.

Die Therapeuten haben einen guten Freund an ihrer Seite der sie unterstützt. Es kann sehr befriedigend sein zu erleben, wie sich die Therapie intensiviert und die Patienten profitierten. Die Therapeuten werden durch die Interaktionen mit dem Hund in die Gegenwart der aktuellen Szene gebracht. Dies fühlt sich oft viel lebendiger an als eine rein sprachliche Therapie mit evtl. langen Monologen über das „da und dort“ der Patienten.

Wesentliche Veränderung der therapeutischen Praxis

Die beschriebenen positiven Wirkungen entstehen nicht automatisch nur aufgrund der Anwesenheit des Hundes! Die hundegestützte Psychotherapie verändert die therapeutische Praxis wesentlich – vergleichbar mit der Veränderung von einer verbalen Therapie zur Körperpsychotherapie. Betrachtet man eine Begegnung von Patient und Hund so sieht man hoch komplexe körperliche Abstimmungsprozesse, die auf teils früh erworbene körper-psychische Strukturen des Patienten verweisen. Die hundegestützte Psychotherapie ermöglicht eine Bewusstwerdung und Bearbeitung dieser inneren Muster. Es entstehen therapeutische Möglichkeiten, die keine andere Therapieform bieten kann. Eine gründliche Ausbildung und insbesondere eine möglichst videogestützte Supervision sind notwendig, um die hundegestützte Arbeit in die jeweilige psychotherapeutische Ausrichtung und Praxis zu integrieren. Voraussetzung ist die Bereitschaft und das Interesse der Therapeuten, das Geschehen im Hier und Jetzt auf zu greifen und sich insofern als handelnde Person einzubringen.

Hundegestützte Psychotherapie, Einbindung des Hundes in die psychotherapeutische Praxis, Gerd Ganser

Eine ausführliche Darstellung des Konzeptes finden Sie im 2017 erschienen Buch:
Gerd Ganser: Hundegestützte Psychotherapie, Einbindung eines Hundes in die psychotherapeutische Praxis.
2017, Schattauer Verlag, Stuttgart

Hundegestützte Psychotherapie, Artikel von Gerd Ganser, Psychotherapeutenjournal

Artikel im Psychotherapeutenjournal vom 1/2014     Download